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Ausarbeitung: Alternative Zeitungen in Freising

  • GG Art. 5
  • 68er-Bewegung
  • Presselandschaft

Meinungsfreiheit, das heißt, seine Meinung in „Wort, Schrift und Bild“ zu verbreiten, so hält es das Grundgesetz fest. Vor allem in der Vergangenheit war das in der Praxis oft aber schwieriger als gedacht. Seit dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur war es in Deutschland möglich, seine Meinung zu äußern, sie aber zu verbreiten, war deutlich schwieriger. Um eine Zeitschrift in größerer Auflage herzustellen, brauchte es Vorrichtungen für den Druck, Papier und eine Möglichkeit zum Vertrieb. 

 

Die Motivation, sich hierauf einzulassen, fanden viele junge Freisinger und Fresingerinnen erst nach 1968. Vor allem in den größeren Städten Deutschlands kommt es in diesem Jahr zu Studentenprotesten gegen die Aufrüstung im Kalten Krieg, den Krieg der USA in Vietnam und in Deutschland speziell gegen ein konservatives Lebensideal und eine mangelhafte Aufarbeitung der NS-Zeit. In diesen Jahren erreicht eine erste Generation das Erwachsenenalter, die erst nach der Diktatur geboren wurde. 

Auch wenn diese Proteste bald wieder verschwanden, hatten sie doch langfristige Folgen. Und das nicht nur in München, Berlin und anderen Großstädten, sondern auch in Regionen wie Freising. Eine dieser Folgen war die Politisierung junger Menschen, die sich in den 70ern und 80ern verstärkt für ihre Interessen einsetzten. In Freising kamen so in diesen Jahren zahlreiche Zeitschriften in Umlauf, die sich vor allem mit Themen auseinandersetzten, die sich in den üblichen Zeitungen nicht finden ließen, und die vor allem das Leben junger Menschen betrafen. Die meisten dieser Zeitschriften zeigten sich unzufrieden mit der Regierung des Landkreises, kümmerten sich um Themen wie Jugendzentren, sprachen aber auch über den Umweltschutz und den damals bereits geplanten Flughafen Freising.

 

Die Presselandschaft der jungen Bundesrepublik hatte gewisse Lücken. In Politik und Presse sahen sich junge Freisinger und Freisingerinnen nicht repräsentiert. Das Grundgesetz garantierte ihnen die Möglichkeit, ihre eigenen Zeitschriften zu veröffentlichen und dabei auch unbequem zu sein. Die Meinungsfreiheit ist deshalb auch ein Korrektiv: Gruppen, die übersehen werden, können so auf sich aufmerksam machen und wieder in den politischen Diskurs eingebunden werden. Auch deshalb gehört die Meinungsfreiheit zu den höchsten Gütern einer Demokratie. Sie betrifft nicht nur die Hauptstadtstudios der Fernsehsender, sondern eben auch Medien auf lokalen Ebenen, wie hier in Freising. 

 

Heute ist es einfacher denn je, seine Meinung für alle zugänglich zu verbreiten. Social Media und das Internet haben zahlreiche Hürden entfernt. Wer heute seine Meinung verbreitet und was dargestellt wird, ist oft die Konsequenz der Algorithmen, die diese Plattformen lenken. Das Verhältnis zwischen Gesellschaft, Medien und Meinungsfreiheit ist so in den letzten Jahrzehnten noch komplizierter geworden.