Ausarbeitung: Christi-Himmelfahrts Kirche - zerstört und neu erbaut
Krieg und Tod
Die Bomben auf Freising am 18. April 1945 hatten die Bahnhofsgegend zerstört. Von der evangelischen Kirche blieb nur eine Ruine zurück, ein beschädigter Turm und die Mauern des Pfarrhauses. Pfarrer Schekenhofer schreibt über diesen Luftangriff: „Die erste Bombe traf das Schiff unserer Kirche. Der Pfarrer hörte sie sausen und sah dann mit eigenen Augen ihre zerstörende Kraft. Nach allen Seiten flogen unter gewaltigem Staubwirbel Holz, Steine und Orgelstücke. Der Pfarrer blutete an der Stirn und floh in den Keller, der an sich keinen Schutz bot. Da schlugen etwa eine Viertelstunde lang ununterbrochen Bomben ringsum ein. Dröhnen, Krachen, Herumfliegen von Scherben und Einzelteilen, das schreckliche Zittern des Pfarrhauses – so wie bei einem Erdbeben – ließen die >Schutz Suchenden das Ende erwartet. Nach Beendigung des Angriffs sah man den gewaltigen Feuerbrand der Gabelschen Benzin- und Ölbehälter und das Brennen der Balken und Hölzer der Kirche und der verschiedenen unmittelbar getroffenen Häuser entlang der Münchner Straße. Die Hälfte davon war mit den Trümmern der Kirchensteine noch bedeckt. Seltsamerweise war der Turm mit Glocken, Uhrwerk und Elektromotor unverletzt geblieben – gleichsam als Mahnung, auch unter den Trümmern den Blick nach oben nicht zu verlieren.
Der Angriff hatte auch unter der Bevölkerung größtes Leid gebracht. Er forderte viele Tote. Ein kleiner Teil war nicht wieder zu erkennen. Manche waren aufs Schwerste verkohlt. Eine Ukrainerin, deren Kind der Pfarrer erst getauft hatte, war nur mehr an dem Gestell ihrer übrig gebliebenen Brille zu identifizieren. Abgerissene Gliedmaßen, Hände und Füße wurden gesammelt und in ein gemeinsames Grab gebracht. Die tags zuvor aus München angekommenen Eltern des Pfarrherrn kamen beide im Pfarrhaus ums Leben.
Gastfreundschaft
Der Krieg war zu Ende, doch Elend, Hunger und Entbehrung blieben, und erst allmählich normalisierte sich das Leben. Die evangelische Gemeinde wuchs gewaltig an durch den Zustrom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen. Bald umfasste sie rund 6.000 Gläubige, die seelsorgerisch und karitativ versorgt werden sollten. Sorge und Ungewissheit blieben, und so mancher kehrte in dieser Zeit auch zu seiner Kirche zurück.
Seitens der katholischen Kirche erhielt Pfarrer Schekenhofer für die evangelische Gemeinde die Friedhofskirche von St. Georg als Raum für Gottesdienste der Protestanten. Es tauchte der Gedanke auf, diese Kirche für die evangelische Gemeinde käuflich zu erwerben. Aber die Kräfte für den Wiederaufbau am alten Platz erwiesen sich als stärker. Dank der großen Hilfsbereitschaft der Gemeindeglieder und seitens anderer Bürger Freisings war bald ein finanzieller Grundstock zum Aufbau von Kirche und Pfarrhaus aufgebracht. Die Währungsreform 1948 machte jedoch diese Pläne zunichte.
Wieder in neuer Heimat
So kam es zur Grundsteinlegung am 9. September 1951 in Anwesenheit vieler Vertreter aus Staat und Stadt, vieler Ehrengäste und Angehöriger der evangelischen Gemeinde. Am 15. Dezember folgte das Richtfest. Pfarrer Schilberg rief damals begeistert aus. „Es ist ein unbeschreiblich freudiges Gefühl zu wissen, dass sich nunmehr wieder ein geistliches Dach über die evangelische Gemeinde spannen wird, und darum gebührt allen am Bau Beteiligten inniger Dank. Auch der katholischen Nachbargemeinde ist besonders zu danken, die dem Bau ebenfalls fördernd zur Seite stand und mit Hochwürden Herrn Dr. Höck an der Spitze stets das ihre tat, um zu helfen.“
Bereits ein halbes Jahr später, am 22. Mai 1952, dem Himmelfahrtstag, bewegte sich von der Friedhofskirche ein langer Zug von Gemeindegliedern zur Weihe neuen Kirche.
Von Jahr zu Jahr komplettierte sich die Kirche. Das Gotteshaus hatte zwar damals noch keinen Turm, doch die drei Glocken aus dem Jahr 1922 fanden auch 1952 ihren Platz im Glockenstuhl. Die kleine Glocke, die Vaterunser-Glocke, spendeten die amerikanische Soldaten; sie läutete ehemals im Lager Moosburg. Und Mitglieder der U.S.-Militärgemeinde stifteten 1953 die so genannte Friedensglocke. Ein Zeichen für Versöhnung und Frieden.
Literatur:
Erich Potthast, in Festschrift: “125 Jahre Evangelische Kirche in Freising“, 1989.