Ausarbeitung: „Mädi“ Sr. M. Imma Mack (1924-2006) & Kloster St. Klara in der Kammergasse Freising
- Engagement und Widerstand
- Verfolgung Andersdenkender und Würde aller Menschen
- GG Art. 1, Art. 4
Eine einfache Handarbeitslehrerin, die 1986 den Bayerischen Verdienstorden erhält, 2001 die Medaille „München leuchtet“, 2004 als „femme chevalier“, ritterliche Frau, in die Französische Ehrenlegion aufgenommen und 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet wird, - das lässt aufhorchen.
Wer ist sie und wofür diese Ehrungen? Josefa Mack, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, bereitet sich 1942 – 1945 in St. Klara, dem Wirkungsort der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“ in Freising auf den Eintritt ins Kloster vor. Sie macht die Gesellenprüfung als Schneiderin und betreut die im Heim wohnenden Kinder.
Ein tiefgreifendes Erlebnis mit Folgen
Es ist Mai 1944. Ihre Oberin schickt Josefa Mack nach Dachau in die Gärtnerei des Konzentrationslagers mit dem Auftrag, zusammen mit einem Lehrmädchen bestellte Pflanzen abzuholen. Die beiden jungen Frauen machen sich auf den Weg, zuerst mit der Bahn bis Schleißheim, dann mit dem Fahrrad nach Dachau. Der 16. Mai 1944 wird für die 20jährige zu einer lebensprägenden Erfahrung. Der Kontaktmann in der KZ-Gärtnerei, der junge Priester Ferdinand Schönwälder, fragt sie ohne Umschweife: Wären Sie bereit, wiederzukommen und für die Priester heimlich Hostien und ein kleines Fläschchen Messwein mitzubringen? Nach der Zustimmung ihrer Oberin und des Erzbischofs sagt sie zu. Allerstrengste Geheimhaltung ist angesagt. Fast ein Jahr lang wird sie unter Lebensgefahr bei teils schwierigsten Bedingungen zur verschwiegenen Vermittlerin zwischen den Häftlingen und der Außenwelt. Kardinal Faulhaber nennt sie: „eine junge Botin..., die in das nächtliche Dunkel und die abgrundtiefe Not des Konzentrationslagers wagemutig Trost und Hilfe brachte, ohne an Gefahr und eigene Sicherheit zu denken.“ Es sind politische Gefangene, aber auch Priester aus den besetzten Ländern und aus Deutschland selbst.
Allein auf sich gestellt
Sie schmuggelt Lebensmittelpakete und Medikamente aus dem Kloster für Gefangene ohne Angehörige, die nahe am Hungertod sind. Sie nimmt illegal Briefe und Nachrichten nach draußen entgegen und überbringt an der Lagerleitung der SS vorbei Briefe und Nachrichten ins KZ. Ferdinand Schönwälder gibt ihr den Decknamen „Mädi“, damit ihr voller Name unentdeckt bleibt. Im Herbst 1944 wird der französische Bischof von Clermont-Ferrand, Gabriel Piguet, ins KZ verbracht. Jetzt entsteht der Wunsch, den an offener Tuberkulose erkrankten Diakon Karl Leisner aus der Diözese Münster zum Priester zu weihen. Josefa Mack wird um Hilfe gebeten. Sie erwirkt bei Kardinal Michael Faulhaber eine schriftliche Erlaubnis und schmuggelt liturgische Gewänder, Bücher, Kerzen und die zur Weihe benötigten heiligen Öle ins Lager. Am 3.Adventsonntag 1944 wird Karl Leisner in einer schlichten Zeremonie zum Priester geweiht.
Ein letztes Mal fährt Josefa Mack am 28. April 1945 nach Dachau. Am 29. April wird das KZ von amerikanischen Truppen befreit. Bei allen ihren Fahrten ist ihr bewusst, dass ihr Wagnis stets mit Todesgefahr verbunden ist. war. Am 28. August 1945 tritt sie dem Orden bei und wirkt als Sr. Imma an Schulen ihrer Ordensgemeinschaft als Handarbeitslehrerin ein Leben lang. Sie stirbt 82-jährig 2006.
Text- und Bildquelle
Josefa Maria Imma Mack, Warum ich Azaleen liebe. Erinnerungen an meine Fahrten zur Plantage des Konzentrationslagers Dachau von Mai 1944 bis April 1945, St. Ottilien 1977