Ausarbeitung: Käthe Winkelmann, die Bürgermeisterin von Neufahrn
- GG Art. 3
- Kommunalpolitik
- Gleichberechtigung
Käthe Winkelmann war von 1964 bis 1977 die Bürgermeisterin von Neufahrn bei Freising. Damit war sie die erste Frau in Bayern, die zur Bürgermeisterin einer Gemeinde gewählt wurde. Das Grundgesetz garantierte in Artikel 3 zwar schon seit 1949 die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, aber die praktische Umsetzung verlief eher langsam. Deshalb war Winkelmanns Wahl 1964 eine kleine Sensation.
Schon vorher war Winkelmann Teil des Gemeinderats in Neufahrn. Ihrer Idee, einen Kindergarten in Neufahrn zu bauen, wurde dort aber eher mit Skepsis begegnet. Sie entschied sich deshalb, selbst als Bürgermeister zu kandidieren, und gewann die folgende Wahl knapp. Den Medien fehlte hierfür damals noch das Wort. Statt von einer ‚Bürgermeisterin‘ schrieben die Zeitungen über den ‚weiblichen Bürgermeister‘ in Neufahrn. Neufahrner der Zeit beschrieben sie als energetisch und entschlossen, weit weg vom Ideal der zurückhaltenden Hausfrau, das zu dieser Zeit die Erwartung war.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt Käthe Winkelmann aufgrund ihres Widerstands gegen den Flughafen München, der auch heute noch für Kontroversen sorgt. Unter anderem weigerte sie sich, die Planungsunterlagen des Flughafens für die Öffentlichkeit im Rathaus auszulegen, und verhinderte so die Fortsetzung des Projekts. 1971 weigert sich Neufahrn unter ihrer Führung, Steuern an den Freistaat Bayern zu zahlen. Beide Male droht Winkelmann die Amtsenthebung.
Der Bau des Flughafens konnte nicht verhindert werden. Doch Winkelmanns Zeit im Rathaus prägt Neufahrn bis heute. Der Ort entwickelt sich in ihrer Zeit von einem ländlich geprägten Ort zu einem Zentrum des Landkreises. Heute erinnern ein nach ihr benannter Platz und die Sporthalle in Neufahrn an sie.
Seit 1919 dürfen Frauen in Deutschland wählen und gewählt werden. Und doch dauert es in Bayern 45 Jahre, bis das erste Mal eine Frau einer Gemeinde vorsteht. Und auch heute sind nur etwa 10% der Bürgermeister und Bürgermeisterinnen in Bayern weiblich. Käthe Winkelmanns Geschichte erinnert heute noch daran, dass zwischen einer gesetzlichen Regelung und der Gleichberechtigung in der Realität oft eine lange Zeit liegen kann. Die Inhalte des Grundgesetzes sind oft keine Abbildung der Realität, sondern ein Ziel, auf das sich der Staat verpflichtet.