Ausarbeitung: Kriegerdenkmal in Freising
- Mahnung zum Frieden
- Tradition des „Krieger“-Gedenkens
- GG Art. 1 und Art. 26
Seit 1905 steht das Kriegerdenkmal in Freising an einer prominenten Stelle in der Innenstadt Freisings. Es wurde errichtet, um an die zwölf Gefallenen aus der Stadt im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zu erinnern. Im Laufe des 20. Jahrhunderts folgten die zwei Kriege, in denen Freising weitere tragische Verluste erlitt: 472 starben im Ersten Weltkrieg und 1112 Einwohner im Zweiten Weltkrieg. Weitere Tafeln am Denkmal erinnern heute an diese Toten.
Das Denkmal stammt aus einer Zeit, in der Deutschland vom Militarismus geprägt war. Der Deutsch-Französische Krieg endete mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs, des ersten vereinten, deutschen Staates. Er wird so bald zu einem Gründungsmythos und das Militär nahm eine zentrale Stellung in der Gesellschaft ein. Die Wehrpflicht verbreitete militärische Disziplin in der Bevölkerung, die Schulen wurden nach dem Vorbild des Militärs geführt, Krieger- und Veteranenvereine gehörten zu den größten und mächtigsten Organisationen in Deutschland. Die in dieser Zeit errichteten Denkmäler feiern die Gefallenen als Helden des Vaterlandes. Auch das Freisinger Denkmal trägt die Symbole dieser Glorifizierung: Auf ihm sind Lorbeerkränze und Eiserne Kreuze abgebildet, die während der napoleonischen Kriege Symbole des Sieges und militärische Auszeichnungen geworden waren.
Der Militarismus in Deutschland und Europa im Allgemeinen trägt zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges bei und kehrt in Deutschland während des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 verstärkt zurück.
Spuren dieser Geschichte prägen das Kriegerdenkmal heute: Die beiden Bronzelöwen gingen in den Wirren des Jahres 1945 verloren und sind heute nicht mehr im Original erhalten. Und nach dem Zweiten Weltkrieg findet sich hier vier neue Inschriften:
„DIE SICH DES VERGANGENEN NICHT ERINNERN, SIND VERURTEILT, ES ZU WIEDERHOLEN“.
„DIE TOTEN VERPFLICHTEN DIE LEBENDEN“.
„WEIL DIE TOTEN SCHWEIGEN BEGINNT IMMER WIEDER ALLES VON VORN“. „UNSER OPFER IST EURE VERPFLICHTUNG: FRIEDEN“.
Wie sich am Kriegerdenkmal Deutschlands Militarismus im frühen 20. Jahrhundert zeigt, zeigt sich an seiner weiteren Geschichte auch Deutschlands heutiges Bekenntnis zum Frieden. Im Gegensatz zu Deutschlands früheren Verfassungen verpflichtet sich das Grundgesetz ausdrücklich zum Frieden in Artikel 1 Absatz 2 und Artikel 26 erklärt die Vorbereitungen eines Angriffskrieges für strafbar. Damit ist das Grundgesetz auch heute noch eine Ausnahme: Nur wenige Verfassungen verpflichten ihre Staaten zum Frieden. Doch das Grundgesetz wird durch Deutschlands besondere Geschichte geprägt, die sich auch am Freisinger Kriegerdenkmal sehen lässt.