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Ausarbeitung: Kriegsende in Freising - Der Mut einzelner Bürger

  • Krieg, Zerstörung und Widerstand
  • Völkerverständigung, Frieden
  • GG Präambel, Art. 8, Art. 26

Millionen Menschen wurden im 2.Weltkrieg Opfer eines mörderischen Krieges. Hunderte Todesopfer aus Freising und dem Landkreis waren darunter. Der Tag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 wird so zu einem bleibenden Tag des Gedenkens. „Erinnern hilft dem Leben und dem Weiterleben. Es hilft dem Zusammenleben in dieser Welt, auch für die Zukunft“, sagte Dr. Haßlberger bei einem Gedenkgottesdienst 1995. Am 18. April 1945 gegen 15 Uhr entlädt sich der Schrecken der Zerstörung über der Stadt. Mit Hunderten von Verwundeten, Kriegsgefangenen, Flüchtlingen und – aus München – Ausgebombten ist Freising fast schon eine Lazarett-Stadt. Einer der letzten Flüge der amerikanischen 8. Airforce lenkt 61 Maschinen auf Freising. Zentrum der Einschläge wird der Bahnhof und die angrenzenden Industriegebiete, aber die Bomben streuen auch in die Evangelische Kirche an der Saar- und Bahnhofsstraße, ins Vinzentinum und in den Oberen Graben. 228 Menschen kommen in den Trümmern um. Viele Verwundete sind zu beklagen. Über 200 Gebäude werden beschädigt oder zerstört. Die Steineckerfabrik brennt drei Tage lang. 

Mutige Bürger bewahren Freising vor weiteren Zerstörungen

In der Nacht vom 28. auf den 29. April. Die amerikanischen Truppen rücken vom Ampertal über die Höhen auf Freising vor. Granaten werden auf die Stadt abgeschossen. Da entschließen sich der damalige Stadtpfarrer Albert Brey und der Hotelier Carl Dettenhofer in einer Nacht- und Nebelaktion eine weiße Fahne auf der Spitze des St. Georgs-Turms zu hissen. Sie wird aus Bettlaken des Hotels genäht und vom Kaplan in der Nacht angebracht. 

 

29. April: Um 13.45 Uhr jagt zum letzten Mal Sirenengeheul die Menschen in die Luftschutzkeller. Dann schlagen, vom jenseitigen Ufer der Amper her, Granaten in Stadtnähe ein. Voller Panik erwarten die Menschen weitere Kampfaktionen der Amerikaner. Im Lindenkeller befindet sich der unterirdische Gefechtsstand des örtlichen Stadtkommandanten, verstärkt durch Leute der SS. Sie sind entschlossen zur „Verteidigung“ der Stadt. Das Feuer der Amerikaner wird erwidert, obwohl bereits die weiße Fahne am Turm der St. Georgskirche flattert, die unmittelbar nach dem Gespräch wieder von der SS abgenommen wird. Unter Führung des Hotelbesitzers Carl Dettenhofer (Foto siehe links) versuchen beherzte Freisinger Bürger den Stadtkommandanten zu überzeugen, die Stadt kampflos zu übergeben.  Ihr energisches Drängen bleibt ohne Erfolg. Da entschließen sich Dettenhofer, Brey und Bürgermeister Lechner, den Amerikanern – sie waren schon auf den Lankesberg vorgerückt – mit der weißen Fahne entgegenzufahren. Die amerikanischen Befreier verzichten auf ein Bombardement der Stadt. Gegen Abend fährt Dettenhofer an der Spitze des amerikanischen Verbandes durch die Stadt und die Bevölkerung hisst die weißen Flaggen. Als der Zug sich vor dem Lindenkeller formiert, ergeben sich die deutschen Offiziere. Um 18 Uhr ist der Krieg für Freising beendet. SS, Kreisleiter und andere Nazi-Prominente haben sich mittlerweile aus dem Staub gemacht und ins Erdinger Moos abgesetzt. Kurz nach 18 Uhr erschüttert eine gewaltige Explosion die Stadt. Die SS hat die Isarbrücke nach Lerchenfeld in die Luft gesprengt.

Das mutige, selbstlose Eingreifen der Bürger Carl Dettenhofer und seiner Mitstreiter, Alois Pfaller, Rudolf Kraml, Alois Schwarz und Stadtpfarrer Albert Brey haben Freising vor einer weiteren Beschießung bewahrt, weiteres Sterben und Leid verhindert.

 

Fotoquelle: privat (Carl Dettenhofer, St.Georg)

Textquelle: Stadtarchiv Freising: 60 Jahre Kriegsende Freising. Ausstellung im Rathaus Freising 2005; Wandinger, Anton, Freising, von 1945 bis1950. 21.Sammelbl. des histor. Vereins Freising, 1950.