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Ausarbeitung: Olympia 1972 in Freising

  • GG. Art.9 Abs. 1
  • Vereine
  • Olympische Spiele

Die Olympischen Spiele fanden zweimal in Deutschland statt. Das erste Mal 1936 in Berlin, das zweite Mal 1972 in München; und damit auch in der direkten Nachbarschaft des Landkreises Freising. Sportstätten gab es hier keine, einige Mannschaften aus aller Welt nutzten die Gegend aber, um sich auf die Spiele vorzubereiten und zu trainieren.

 

Beinahe noch größer als für München waren die Spiele deswegen für die Freisinger Sportvereine, die sich nun mit internationaler Konkurrenz messen konnten. Durch das Miteinander der Sportler aus unterschiedlichen Nationen und das gemeinsame Trainieren standen die Spiele dann auch in einem starken Kontrast zu Olympia 1936. Damals regierten in Deutschland die Nationalsozialisten, die während der Spiele versuchten, Deutschland und die ‚deutsche Überlegenheit‘ zu präsentieren. Der Verein in seiner herkömmlichen Form war ihnen dabei ein Dorn im Auge. Alle Mitglieder sind hier gleichberechtigt und arbeiten als Gemeinschaft, die Vorsitzenden werden in demokratischen Wahlen bestimmt. Turnervereine spielten im 19. Jahrhundert auch eine entscheidende Rolle beim Einsatz für die Demokratie. All das war nicht vereinbar mit der nationalsozialistischen Vorstellung vom ‚Führerprinzip‘, bei der die Herrschaft auf eine Person, den Führer, zugeschnitten war. 

Das Fußballspiel zwischen dem TSV und der Mannschaft aus Marokko, das während des Trainings für Olympia in Freising stattfand, mag deshalb unauffällig wirken, aber es verdeutlichte doch Deutschlands Bekenntnis zu demokratischen Werten und internationalem Austausch. Damals wie heute leisten Vereine aber noch mehr: Sie organisieren das gesellschaftliche Leben und die lokale Gemeinschaft und integrieren Zugezogene und Neuankömmlinge. Die Mitgliedschaft in einem Verein, vor allem in einem Sportverein, ist in Deutschland ein Massenphänomen, weshalb Vereine oft auch Personen aus unterschiedlichen Milieus vereinen. Auch in Freising waren von einfachen Bürgern bis zum damaligen Fernsehstar Raimund Harmstorf unterschiedlichste Personen vertreten.

 

Dass das Recht, einen Verein zu gründen, in unserer Verfassung steht, und dann auch noch so prominent in einem der ersten Artikel, wirkt auf den ersten Blick merkwürdig. Doch mit einem Blick auf ihre Geschichte und ihre Funktionen wird die Sache klarer: Vereine waren schon demokratisch organisiert, lange bevor Deutschland eine Demokratie war. Integration und gesellschaftliche Durchmischung finden zu einem guten Teil durch sie statt. Sie sind eine Form, den Alltag und das gesellschaftliche Leben demokratisch zu gestalten, und leisten für die Demokratie damit einen wichtigen Beitrag. Nach der Erfahrung im Nationalsozialismus sind sie heute daher explizit geschützt.